Sie hat den Job doch nur wegen der Quote.“ – Warum dieser Satz teurer Unsinn ist.

Neulich im Gespräch mit Kolleginnen, ja, Frauen!, fiel dieser Satz. Er landete zwischen uns auf dem Tisch, schwer und hässlich. So, als ob Männer plötzlich die Benachteiligten wären. Als ob uns Frauen etwas geschenkt würde, das wir nicht verdient haben.

Ganz ehrlich? Das macht mich wütend. Nicht weil ich nicht damit umgehen könnte. Sondern weil dieser Satz lügt. Und weil er teuer ist, für alle.

Sichtbarkeit ist kein Ego-Trip

Lass mich direkt sein: Wenn wir sichtbar werden, geht es nicht um Eitelkeit. Es geht um wirtschaftliche Notwendigkeit. Robert Zoellick, ehemaliger Präsident der Weltbank, bringt es auf den Punkt: „Gender Equality is smart economics.“ Das ist kein Spruch für den Weltfrauentag. Das ist eine Bilanzaussage.

Ich erinnere mich an eine Phase, in der ich mich systematisch kleiner gemacht habe. Kein Angebot rausgeschickt, das nicht dreimal überarbeitet war. Keine Meinung geäußert, die nicht schon jemand anderes gesagt hatte. Ich dachte, das wäre Bescheidenheit. Es war Unsichtbarkeit, und sie hat mich etwas gekostet. Zeit, Aufträge, Glaubwürdigkeit bei mir selbst.

Die Wirtschaftsexpertin Isobel Coleman beschreibt, was passiert, wenn Frauen fehlen oder unsichtbar bleiben: schädliche Produktivitätsverluste. Der Markt wartet darauf, dass wir teilnehmen. Wenn wir uns verstecken, tun wir das auf Kosten der Allgemeinheit.

Wir bauen keine Denkmäler

Coleman beschreibt außerdem einen Effekt, den wir uns viel öfter bewusst machen sollten: Frauen investieren ihr Einkommen überproportional in Gesundheit, Ernährung und Bildung ihrer Kinder. Wir bauen keine Denkmäler für unser Ego. Wir reinvestieren in die Zukunft. Wir brechen alte Strukturen auf. Für alle.

Deine Website ist deine Straße zum Markt

Goldman Sachs und die Weltbank investieren seit Jahren in Infrastruktur, um Frauen den Marktzugang zu ermöglichen. Im digitalen Zeitalter sind wir selbst die Bauherrinnen. Deine Website, dein Branding, deine Kanäle: das ist deine Infrastruktur. Das ist deine Straße zum Markt.

Und ich kenne den Moment, in dem man diese Straße nicht bauen will. Weil es sich anmaßend anfühlt. Weil man denkt: Wer bin ich denn? Diese Frage ist verständlich. Aber sie ist keine Entschuldigung mehr. Ohne diese digitale Anbindung bleibt deine Expertise dort, wo sie niemandem nützt, bei dir.

Wer hier spart, spart nicht an „Werbung“. Er kappt seine eigene Lieferkette.

Sichtbarkeit ist keine Option.

Der Satz von damals, „Sie hat den Job nur wegen der Quote“, ist nicht nur falsch. Er ist eine Ablenkung. Er lenkt ab davon, dass Strukturen existieren, die uns systematisch unsichtbar machen. Und er funktioniert nur, wenn wir mitspielen.

Also: nicht mitspielen.

Wann hast du dich zuletzt bewusst sichtbar gemacht, und was hat das ausgelöst? Schreib es in die Kommentare.

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